2.3. Das Konzept von "Honne und Tatemae"

Die japanische Gesellschaft basiert auf zahlreichen über lange Zeit entwickelten sozialen Konzepten. Diese Konzepte spiegeln Ideologien wider, die die japanische Seele ausmachen. Sie sind sogar mit Eigennamen versehen, werden im Kindesalter an Schulen, und im ganz gewöhnlichen Familienalltag erlernt. Eines dieser Konzepte ist das Konzept von „Honne und Tatemae“. In erster Linie dient es dazu das Zusammenleben vieler Menschen auf engem Raum in gewisser Weise angenehm zu machen und zwischenmenschliche Reibungen weitestgehend zu vermeiden. Kurz gesagt spiegelt „Honne“ die persönliche Haltung eines Menschen und „Tatemae“ die öffentliche wider. Das Interessante dabei ist, dass Honne und Tatemae dabei nicht selten voneinander abweichen. Mitunter sogar sehr stark. Dieses Konzept mag jetzt Ähnlichkeiten zum Verhalten in westlichen Gefilden aufweisen, aber die extreme Ausprägung in Japan ist bemerkenswert. Verabschieden Sie sich von Ihrer lieb gewonnenen Fähigkeit die Absichten und Gefühle Ihres Gegenübers lesen zu können. Tatemae wird Sie erwischen. Ganz unbemerkt und plötzlich. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie die Verkäuferin die Sie mit ihrem breiten Lächeln angrinst auch wirklich sympatisch findet. Glauben Sie dem soeben erst Vorgestellten nur bedingt wenn er Ihre hervorragenden Japanisch-Kenntnisse überschwenglich lobt. Diese harmlosen Beispiele verursachen vielleicht noch weniger Probleme in Ihrem Leben, aber sie verdeutlichen den Grundgedanken von Honne und Tatemae.

Auf keinen Fall möchte ich dazu aufrufen Ihren japanischen Bekanntschaften übermäßig zu misstrauen oder ablehnend auf alle Höflichkeiten zu reagieren. Aber seien Sie bitte mit Ihren Gefühlen vorsichtig. Tatemae ist für „Gaijin“ nicht leicht zu durchschauen und schwer zu lesen. Es gibt dem Gegenüber ein gutes Gefühl was man als Nicht-Japaner sehr schnell als Zutrauen oder gar Freundschaft auslegen könnte was es dann aber leider nicht ist. Nicht jedes Angebot oder jede Einladung ist auch so gemeint wie sie ausgesprochen wird. Man bemerkt so etwas sehr schnell wenn man auf Tatemae ernsthaft eingeht und dann unerwartetes Abblocken erfährt. Bei Unsicherheit fragen Sie sofern möglich am besten enge japanische Bekannte. Japaner tun sich mit der Einschätzung von Aussagen anderer Japaner einfach leichter.

Tatemae begegnet man in Japan in allen zwischenmenschlichen Situationen. Es ist das höfliche Miteinander das das Leben auf einer oberflächlichen Ebene unkompliziert macht. Tatemae steht aber nicht dafür was eine Person wirklich denkt. Es steht dafür was die Gesellschaft von der momentanen Funktion einer Person erwartet. Honne anzutreffen ist dagegen ungleich schwieriger. Wirklichem Honne begegnet man erst nach mehrjähriger, tiefgängiger Freundschaft. Es gibt jedoch auch eine Möglichkeit die ganz unverhofft Ansätze von Honne zu Tage tragen kann. Auch zwischen Fremden: Beim ausgelassenen Beisammensein bei Speis und Trank. Der Alkohol beflügelt in Japan wie bei uns die Zunke auf gleiche Maßen.

Ein Ausgezeichnetes Werk über Honne/Tatemae und zahlreiche andere Konzepte ist das Buch „The Japanese Mind: Understanding Contemporary Japanese Culture“ (ISBN 0804832951, http://japaninfo.at/news/buch_92-the-japanese-mind)

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